Die Schlagzeile einer aktuellen Pressetext-Meldung lässt aufhorchen: “Innovationsfaul: Deutsche Start-ups kopieren Ideen“. Offenbar orientieren sich mehr und mehr Deutsche Startups an US-Vorbildern / übernehmen einfach deren Ideen, obschon dies natürlich auch umgekehrt praktiziert wird. Der Beitrag macht schnell deutlich, dass dieses Frage wohl eher zu verneinen wäre. Ich meine gar, dass das Imitieren aus Sicht des Innovationsmanagements keinesfalls problematisch ist. Schliesslich handelt es sich dabei um eine Innovationstätigkeit.
Imitationen werden eher mit negativen Eigenschaften in Verbindung gebracht, erscheinen sie doch einfallslos bzw. scheinen ein Produkt mangelnder Kreativität zu sein. Imitationen folgen auf Innovationen und sind durchaus dann zulässig, wenn Innovationen nicht genügend geschützt sind. Die meisten Innovationen schaffen Nachahmer. Offenbar kombinieren gar erfolgreiche Unternehmen Innovationen und Imitationen. Aus Studien geht hervor, dass vor allem absatzpolitische Gründe für Imitationen sprechen statt technologische. Demnach werden Image-Schäden seitens der kopierenden Seite als weniger bedeutsam erachtet. Imitationen stellen eine akzeptierte Form dar, um am technischen Fortschritt zu partizipieren. Imitatoren weisen folgendes Verhalten auf: entweder sie treten in die frühe Wachstumsphase ein, dann wird versucht der (1) schnelle Zweite zu sein oder der Eintritt erfolgt in der späteren Wachstumsphase oder gar erst in der Reifephase, dann streben die Unternehmen an, der (2) Kostenminimierende Nachzügler zu sein. Treten Imitatoren erst während der Reifephase in ein spezielles Segment ein, dass positionieren sich diese Unternehmen als (3) Nischenspezialist. Imitationen sind dann erfolgreich, wenn es dem Imitator gelingt, die von einem Innovator geschaffenen Markteintrittsbarrieren zu überwinden. Im erweiterten Sinne sind nur 2 Eintrittsbarrieren hinderlich für Imitationen: (1) die Höhe der Komplexität und der technologischen Neuartigkeit sowie (2) das vorhanden Distributionssystem eines Innovators geben nötige Vorsprünge gegenüber Imitatoren. Innovationsmanager sind demnach angehalten, den Wettbewerb intensiv zu beobachten, noch schneller zu entwickeln und Kernkompetenzen noch besser auszunutzen, um schlussendlich immer wieder neue Barrieren zu errichten. Das Management von Imitationen gehört dabei auch zu den Aufgaben des Innovationsmanagements (Hauschildt/Salomo, 2007, S. 71 ff).
Die Frage, die sich mir stellt lautet dabei, ob imitierende Startups eher scheitern, als solche, die sich quasi im Rahmen eines innerbetrieblichen Innovationsmanagements vollständig auf Eigenentwicklungen konzentrieren?